FlatPress My FlatPress blog FlatPress Admin 2020 2020-03-28T08:21:04+00:00 Admin ~/ Amrum wider Willen... ~/?x=entry:entry191220-154038 2019-12-20T15:40:38+00:00 2019-12-20T15:40:38+00:00

Freitag 21.06.2019

Das Wochenende wird perfekt! Angesagte 32°C, mit 8 Knoten aus Osten nahezu Windstill und Hochwasser ist heute bereits um 17:00 Uhr.
Die für Samstag geplante Party muss leider abgesagt werden. Es sind die optimalen Bedingungen um nach Helgoland aufzubrechen.
Den Vormittag nutze ich, um in Ruhe zu packen bevor ich ins Büro fahre. Je näher der Feierabend rückt, desto seltsamer erscheint mir das Wetter. Wird es da hinten etwa dunkel am Himmel? Kühlt die Luft gerade ab? Nochmal checke ich alle Vorhersagen und bin wieder beruhigt. Es scheint nur eine einzige Wolke zu sein, das ist gleich wieder vorbei.
Wir treffen uns um 18:00 Uhr an der Slipstelle, Frank hat die SeaQuest vorbereitet und wartet bereits auf mich. Noch ein schneller Blick über den Deich: Nee, da sind nichtmal Schaumkrönchen. Wird schon alles gut sein.
Kurze Zeit später sind wir dann auch schon auf dem Wasser. Im Priel der uns zum Heverstrom hinaus führt ist alles wie erwartet ruhig. Es ist zwar ein ganz kleines bisschen welliger als gedacht, das liegt aber bestimmt daran dass Strömung und Windrichtung entgegengesetzt sind. Der Wind kommt plötzlich aus Westen, also haben wir Gegenwind statt des angesagten Rückenwindes. Gleich da vorne nach der nächsten Kurve ist das wieder weg.
Eine ganze Weile lang reden wir uns ein, dass “gleich nach der nächsten Kurve” alles besser wird und wir den versprochenen windstillen Sommerabend bekommen. Und dabei gibt es gar nicht so viele Kurven auf unserer Strecke…
Das Wasser wird unruhiger, die Wellen werden höher und kreuzen von allen Seiten. Frank ist sichtlich konzentriert, die SeaQuest ruhig zu halten und ich werde immer stiller.
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Umdrehen können wir nicht mehr, da die Slipstelle trocken liegt bis wir dort ankommen würden. Frank verspricht mir, dass das Schlimmste die Außenbarren (siehe Revierführer, Kap. 5 “Seegaten”) sind. Wenn wir die geschafft haben, dann wird es auf jeden Fall ruhiger! Er checkt sicherheitshalber noch einmal die Vorhersagen und ist sich ganz sicher.
Inzwischen haben wir 2-3 Meter Welle. Von dem krampfhaften Festhalten sind meine Fingerknöchel schon ganz weiß und der Rücken schmerzt. Gleich haben wir es geschafft. Gleich haben wir es geschafft. Gleich haben wir… Die SeaQuest hebt ab und ich höre auf zu atmen. Der Motor heult auf als der Propeller den Kontakt zum Wasser verliert. Während dieser Millisekunde in der wir fast senkrecht in der Luft stehen bin ich ganz sicher, dass gleich der Bug nach hinten weg fällt und wir uns rückwärts überschlagen. Bei dem Seegang wird man unsere leblosen Körper wahrscheinlich irgendwo kur vor Cuxhaven finden.
Stop! Pause! Frank dreht die Geschwindigkeit runter um zu beratschlagen, was wir nun machen. Es ist noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft und langsam gestehen wir uns ein, dass die See nicht ruhiger werden will.
Also ändern wir unseren Plan. Weiter gegen den Wind nach Helgoland ist für uns keine Option. Wir drehen ab nach Norden und steuern Amrum an. Jetzt haben wir die Wellen nicht mehr frontal, sondern können sie schräg seitlich anfahren.
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Um 19:00 Uhr ist endlich Land in Sicht. Wir sind seit etwas über einer Stunde auf dem Wasser und ich bin so froh, bald auf festem Boden zu stehen. Die riesigen Sanddünen von Amrum wirken aus der Ferne wie hohe Felsklippen. Mit jedem Meter den wir der Insel näher kommen, sind die Dünen deutlicher und deutlicher zu erkennen. Der Anblick ist atemberaubend.

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Eine Stunde später haben wir einen Liegeplatz im Amrumer Yachtclub gefunden. Schnell alles vertäuen und ins Büro zur Anmeldung. Hier werden wir nach Namen und Heimathafen gefragt. Frank schaut mich etwas unbeholfen an – wir haben keinen so richtigen Heimathafen. “Unabhängiger Seefahrer” antwortet er ganz trocken. Das Mädel auf der anderen Seite des Tresen grinst breit “PIRAT. Alles klar.” und notiert die Daten.
Praktischerweise befindet sich das Büro des Hafenmeisters im Amrumer Yachtclub in einem Restaurant. Ein Bier bitte!
Anschließend folgt das übliche Ritual: Boot trocken wischen, Grill vorbereiten, Zelt aufbauen.
Nach dem Abendessen gehen wir noch eine kleine Runde auf einem der Holzbohlenpfade runter zum Nehrungssee und schlendern durch die Dünen bis es dunkel wird.

             
 

Samstag 22.06.2019

Die ersten Strahlen eines tiefroten Sonnenaufgangs, leichtes rauschen des Wassers und singende Möwen. Zwar schlafe ich auf der SeaQuest besser als Zuhause in meinem eigenen Bett, jedoch kann ich nicht umher, so früh wie möglich aufzustehen wenn wir unterwegs sind. Also krabbel ich auch dieses mal noch vor 08:00 Uhr aus dem Zelt und erkunde die Insel. Auch hier fällt mir auf, wie friedlich doch alles ist wenn die ganzen Menschen noch schlafen.

Amrum_2019_00009.jpgDer ein oder andere Jogger nickt mir freundlich zu. Es ist nicht ganz so Menschenleer wie auf Helgoland aber auch hier scheint die Zeit einfach langsamer und entspannter zu vergehen.
Eine knappe Stunde später komme ich mit frischen Brötchen wieder zurück an unseren Liegeplatz.
Nach unserem ausgiebigen Frühstück wird es nun ein kleines Bisschen Stressig. Heute ist mein Geburtstag und ein ganz lieber Freund hat angekündigt, mich an meinem Geburtstag zu besuchen – egal wo ich gerade sei. Wir müssen uns beeilen, damit wir rechtzeitig an der Fähre sind um ihn zu treffen.
Für meinen Besuch ist es, genau wie für mich, der erste Besuch auf Amrum.
Da es schon fast Mittag ist, entscheiden wir uns, erst noch schnell ein Fischbrötchen zu essen bevor wir uns auf den Weg in die Dünen machen. Die besten Fischbrötchen auf Amrum soll es bei “Scholle’s Fisch-Buttze” geben.
Na dann. Hätte ich vorher gewusst wie mega groß und wie verdammt lecker diese Fischbrötchen sind, hätte ich mir das Frühstück gespart!
 

Amrum_2019_00028.jpgNach dem Mittagessen steuern wir auf direktem Wege den Kniepsand im Süden der Insel an. Der erste Kilometer ist entspannt. Der Sand ist relativ fest, somit lässt sich gut drauf laufen. Die brennende Mittagssonne macht uns jedoch schon ein wenig zu schaffen. Wir wählen den Weg auf den Holzbohlenpfaden. Hier ist zumindest etwas Schatten.
Nach ca. 2 Kilometern endet der Weg jedoch. Am Wegesrand stehen Schilder die uns den Weg zum Leuchtturm weisen. Da muss sich doch jemand vertan haben. Da ist gar kein Weg. Nur Sand, Sand und noch mehr Sand! Meine beiden Begleiter sind sich jedoch sicher, dass dies der Weg zum Leuchtturm sein muss. Also stapfen wir durch den weichen Sand. Immer und immer wieder versinken meine Füße bis zu den Knien in den Dünen. Es geht bergauf und bergab. Gefühlt wesentlich öfter bergauf als bergab. Immerhin amüsieren sich die beiden köstlich über meine immer lauter werdenden Flüche.

Amrum_2019_00013.jpgUngefähr einen Kilometer und unzählige “ich kann nicht mehr, lasst mich einfach hier zurück” später sind wir endlich beim Leuchtturm angekommen. Besuche und Führungen sind hier möglich, leider allerdings nicht am Wochenende. Egal, unser Hauptziel waren eh die Dünen. Wir sind wieder an der Inselstraße angekommen und gönnen uns an der nahezu gegenüberliegenden Heidekate erst einmal etwas zu trinken. Viel Zeit bleibt leider nicht, bis wir wieder zur Fähre müssen. So schön der Ausblick in den Dünen auch war; für den Rückweg entscheiden wir uns für den Weg an der Straße entlang.

Beim nächsten Mal sollten wir Amrum unbedingt mit dem Fahrrad erkunden.
Auf festem Boden laufend ist der Weg gar nicht mehr so weit und wir schaffen es rechtzeitig um unseren Besuch am Fähranleger zu verabschieden.

Es ist 17:00 Uhr. Was nun? Wie verbringen wir den restlichen Abend? Amrum hat noch viel zu bieten und wir haben noch viel zu wenig von der Insel gesehen.

 
 

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Leihen wir uns doch Fahrräder und fahren nochmal an die Nordspitze? Die Idee gefällt uns, jedoch ist das nicht unbedingt der perfekte Geburtstagsabend. Der Fahrradausflug wird auf morgen verschoben.
Da wir aber eh gerade vor dem Fahrradverleih stehen, nehmen wir die Räder schon heute mit.
So können wir morgen direkt von unserem Hafen aus starten.
Jetzt schnell “nach Hause” duschen und umziehen. Insgesamt an diesem Tag gelaufene Strecke: 14,8 Km.

Heute Abend gehen wir in die Blaue Maus. Die Inselkneipe ist weit über die Grenzen Amrums hinaus bekannt für ihre riesige Auswahl an Whiskey.
 

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Zu dem restlichen Teil des Abends halte ich mich hier etwas zurück. Nur so viel: Ein toller Laden mit superlieben Menschen- sowohl Gäste als auch Chef & Mitarbeiter.

Dass ich kein Licht an meinem Fahrrad habe ist gar nicht schlimm. Schließlich ist es schon wieder hell als wir uns auf den Rückweg machen…

 

Sonntag 23.06.2019

Urlaub heißt auch mal ausschlafen. Ganz besonders, wenn man gar nicht mehr so genau weiß, wie man es an dem Amrum_2019_00022.jpgAbend zuvor trocken vom Steg ins Boot geschafft hat. Ganz entspannt beginnen wir den Tag um 14:00 Uhr. Wäre unsere Zeit auf der Insel nicht begrenzt – heute wäre ein typischer Couch Tag ohne viel Bewegung angesagt!
Aber da wir die Fahrräder nunmal schon “vor der Tür” stehen haben packen wir schnell die Kameraausrüstung zusammen und starten unsere Tour. Auf dem Deich entlang mit Blick auf das Wattenmeer verschwinden auch die Kopfschmerzen ganz schnell. Unser erstes Ziel ist Nebel. Auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche stehen die ‘Sprechenden Grabsteine’.
Die 152 unter Denkmalschutz stehenden Grabsteine erzählen von den Leben und den Geschichten der Verstorbenen. Nahezu jeder Stein ist mit einem auffälligen Symbol verziert, welches Bezug auf die verstorbene Seele nimmt. So manches mal staune ich über die vielen Details und die filigranen Arbeiten.
Anschließend fahren wir an die Westküste der Insel an den Badestrand Süddorf. Eines haben wir hierbei gelernt: Wenn das Navi dir sagt “jetzt links, in 5 Minuten hast du dein Ziel erreicht”, dann ist damit oft die Luftlinie gemeint und das Navi vergisst dabei, dass Fahrräder nicht durch den weichen Sand der Dünen fahren können.

 

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15:00 Uhr. Wir sind endlich an unserem Ziel angekommen. Nun schnell die Fahrräder parken und nur noch eben die letzten 500 Meter zum Strand laufen. Durch die Dünen mit dem weichen Sand – versteht sich von allein.
Die Wassertemperatur lädt leider nicht unbedingt zum Baden ein aber um ein wenig mit den Füßen durchs angenehm kühle Wasser zu laufen ist es perfekt.

 

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Nach ca. einer Stunde am Strand machen wir uns auf den Rückweg. Auf direktem Wege zum Fahrradverleih, im Stechschritt zurück zum Hafen schaffen wir es gerade rechtzeitig, bei ablaufendem Wasser den Hafen des Amrumer Yachtclub zu verlassen bevor dieser komplett trocken fällt.
Schon heute Morgen haben wir Wind- und Wetterverhältnisse gecheckt. Es wird perfekt! Zwar sind ein paar Windstärken angesagt, jedoch haben wir noch immer Westwind. In unserem Falle also Rückenwind, was die Heimfahrt schnell und angenehm gestalten wird.
 
Wir hätten es besser wissen sollen….
Das erste Stück fahren wir in südliche Richtung. Wir haben also den Westwind von der Seite.
Ist nicht schlimm, das hört ja gleich auf. Da wir gut in der Zeit liegen fahren wir mit gemütlicher Reisegeschwindigkeit. Ab und an schwappt mal eine Welle über die SeaQuest und somit leider auch über mich. Frank amüsiert sich jedes mal köstlich, wenn ich mitten im Satz aufhöre zu sprechen weil ich gerade den Mund voll Salzwasser habe. Nach wenigen Minuten bin ich von Kopf bis Fuß nass. Mir kommt die Vermutung, dass er die ein oder andere Welle absichtlich genau so anfährt, dass ich wieder eine schöne Dusche abbekomme. Immerhin ist es warm und das Ölzeugs hält gut trocken.
Hinter Süderoogsand ist es geschafft. Wir biegen in den Heverstrom ab und freuen uns auf den Rest der Strecke mit Rückenwind.
Interessanterweise frischt der Wind in diesem Moment auf und dreht. Die restliche Strecke legen wir also mit Gegenwind zurück. Es geht wieder so los wie auf der Hinfahrt. Die schmerzenden Fingerknöchel, die Schläge im Rücken und die blauen Flecken an den Beinen.
Mit verringerter Geschwindigkeit schaukelt alles zwar etwas mehr, die Schmerzen jedoch werden erträglicher.
Soweit ich mich erinnern kann ist dies das erste mal in dem die Windvorhersagen mal so gar nicht stimmten. Hoffen wir, dass sich das für die Zukunft wieder ändert.
20:00 Uhr. Die letzten Meter. Direkt vor uns taucht ein Seehundkopf aus dem Wasser auf und auch genauso schnell wieder ab. “SEEHUND! MOTOR AUS!” Die Biester bleiben in der Regel 5-6 Minuten unter Wasser bevor sie wieder auftauchen. Wir suchen beide das Wasser ab und hoffen, dass nichts passiert ist. Zum Glück taucht er wenige Sekunden später ein paar Meter weiter wieder auf.
Kurz darauf kommen wir an der Slipstelle an und ziehen die SeaQuest aus dem Wasser. Völlig fertig von dem Wochenende -den Ausflügen, der Nacht in der Blauen Maus und der Fahrt- haben wir jetzt nur noch eines im Kopf: Hunger!
 
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Auf der anderen Seite des Deichs ist die Spieskommer. Ölklamotten aus, die Haare mit Wasser wieder halbwegs in ansehnliche Form gebracht und in der Hoffnung, dass wir nicht mehr ganz so verwahrlost aussehen beenden wir das Wochenende mit einer der besten Schollen die ich je gegessen habe.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nicky

Helgoland - jetzt oder nie! ~/?x=entry:entry191113-175639 2019-11-13T17:56:39+00:00 2019-11-13T17:56:39+00:00

Helgoland 18-4b.jpgFreitag 20.07.2018
Es ist 22:00 Uhr, wir sitzen bei einem Glas Wein im Garten und genießen den lauen Sommerabend.
Am Dienstag werde ich meinen neuen Job beginnen. Einerseits freue ich mich darüber, andererseits hatte ich es genossen, immer dann mit der SeaQuest raus zu fahren, wenn Wetter und Gezeiten gerade passen. Und auf Helgoland waren wir dieses Jahr auch noch nicht. Dabei hatten wir es uns fest vorgenommen.
Nach dem dritten Glas Wein kommt uns der Gedanke: wenn nicht jetzt, dann nie! Hektisch und mitten in der Nacht checken wir die Vorhersagen für Wind, Wetter und Gezeiten. Die SeaQuest ist zum Glück im Sommer immer grundausgestattet, sodass nur noch ein paar Klamotten und das bisschen an Verpflegung fehlt, was der Kühlschrank gerade eben so hergibt.
Samstag 21.07.2018
Der Wecker klingelt um 7:00 Uhr. Genau das was man sich an einem Samstagmorgen wünscht! Da das erste Hochwasser heute schon um 08:35 Uhr ist, müssen wir uns beeilen. Unser “Heimathafen” fällt über die Ebbe trocken, sodass wir nur ein kurzes Zeitfenster zum Slippen haben.
Um 10:30 Uhr sind wir auf dem Wasser. Noch immer nicht ganz wach aber der Anblick entschädigt für alles. Das Wasser ist spiegelglatt.
Die Hallig Südfall zeigt sich in der klaren Luft sehr deutlich und selbst die entfernte Insel Pellworm kann ich schon sehr früh zu erkennen. Vorbei an den Seehundsbänken, ein kurzer Blick auf den Leuchtturm Westerhever und schon nähern wir uns dem Ende des Heverstroms.
Für wenige Minuten sind bei dem Blick übers Heck noch schemenhaft die Umrisse von St.Peter-Ording und Süderoogsand zu erkennen. Dann ist plötzlich alles verschwunden. Ein Moment indem mir leicht mulmig wird. Trotz des Wissens, dass die SeaQuest hochseetauglich ist fühlt es sich doch schon seltsam an, plötzlich so wirklich auf hoher See und ohne Land in Sicht zu sein.
Ich stelle fest, dass ich ohne technische Unterstützung an Bord hoffnungslos verloren wäre. Die Navigation ist gar nicht mehr so einfach wenn man keinerlei Orientierungspunkte hat. Zum Glück ist Frank in dieser Sache etwas geübter als ich.
Wir genießen die Einsamkeit fernab jeglicher Zivilisation und inmitten dieser wundervollen Stille. Es dauert knapp eine Stunde bis Land in Sicht ist.
Helgoland ist nahezu eingezäunt von einem riesigen Naturschutzgebiet durch das es nur zwei erlaubte Durchfahrten gibt; eine aus Norden und eine aus Süden kommend. Da wir uns aus östlicher Richtung auf die Insel zu bewegen bedeutet das für uns, dass wir einen recht langen Umweg in Kauf nehmen müssen um in das südliche Fahrwasser zu gelangen. Wem der Schutz der Seehunde als nicht all zu wichtig erscheint, dem sei noch gesagt, dass hier ebenfalls einige Seeminen aus dem zweiten Weltkrieg liegen. Es ist also tatsächlich ratsam, sich an die vorgegebenen Wege zu halten.
Gegen 13:00 Uhr vertäuen wir die SeaQuest an unserem Liegeplatz im Nordosthafen. Der Sportboothafen ist der kleinere von zwei Häfen auf der Insel. In den Liegegebühren sind Duschen (warm, keine extra Kosten), Toiletten und WLAN (mit sehr geringer Reichweite) inklusive. Außerdem gibt es einen kleinen Grillplatz des Vereins der nach Absprache genutzt werden darf sowie eine “Minibar” im Büro des Hafenkapitäns mit absolut fairen Preisen.
Wir machen uns erst einmal auf den Weg, die Insel zu erkunden. Zuletzt war ich vor gut 20 Jahren zusammen mit meinen Eltern hier.
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Da sich die meisten Touristen auf dem südlichen Teil der Insel aufhalten machen wir uns auf den Weg zum Nordstrand. Von hier aus führt eine Treppe zum Oberland: der Jägerstieg.
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Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich diese Treppe als Kind gehasst habe. Nun ja – nach der Hälfte der 256 Stufen wird mir klar, dass ich es noch immer tue! Nichts desto trotz ist es der schönste Weg den man wählen kann. Helgoland 18-4.jpgOben angekommen stehen wir nach wenigen Metern am Klippenrand mit Blick auf die “Lange Anna”. Das 47 Meter hohe Wahrzeichen der Insel gehört einfach zu einem Rundgang dazu. Weiter geht es an den Lummenfelsen vorbei zum Leuchtturm und anschließend runter zum Südhafen.

Helgoland gilt als Shopping-Paradies. Die Insel unterliegt dem Steuerrecht der EU nicht, daher werden Waren nicht nur Zollfrei, sondern auch Mehrwertsteuerfrei angeboten. Wir stöbern ein bisschen durch die Läden und werden dabei von einem der Verkäufer auf ein Abendevent auf der benachbarten Düne aufmerksam gemacht.
Es ist schon 17:00 Uhr und uns fällt ein, dass wir den ganzen Tag noch gar nichts gegessen haben. Zurück in unserem Hafen baut Frank den Grill an Bord auf und kümmert sich um das Abendessen während ich das Zelt und die Betten für die Nacht aufbaue. 

Um 20:00 Uhr steigen wir auf die Fähre rüber zur Düne. Leider ist es nicht erlaubt, die Düne mit eigenem Boot anzusteuern, weshalb wir auf die 10 Minütige Überfahrt per Fähre zurückgreifen müssen. Bei 5,- Euro pro Person (Hin- und Rückfahrt) ist das nicht ganz so schlimm. Die Nebeninsel gehörte ursprünglich mal zu Helgoland, wurde aber bei der Neujahrsflut 1721 von der Insel abgetrennt.
Auf der Düne gibt es einen kleinen Sportflugplatz, ein paar Ferienhäuser, den “Friedhof der Namenlosen” und das Dünenrestaurant. Außerdem ist sie das Zuhause unzähliger Seehunde und Kegelrobben.
Im Dünenrestaurant findet heute Abend eine Beachparty statt. Bier, Grill und Live Musik!

Helgoland 18-5.jpgSchon auf dem Weg zum Dünenrestaurant stolpern wir fast über die ersten Seehunde.
Die Meeressäuger liegen wie selbstverständlich am Strand. Von den vorbei laufenden Menschen lassen sie sich wenig beeindrucken. Hier sei gesagt, dass es sich trotz aller Niedlichkeit um gefährliche Raubtiere handelt. Ein gewisser Abstand ist also zu empfehlen. Frei nach dem Motto “tust Du mir nichts, tu’ ich Dir nichts” teilen sich hier Mensch und Tier den Strand ohne irgendwelche Absperrungen dazwischen.

Die Beachparty ist genau nach unserem Geschmack. Wir ergattern ein kleines Tischchen draußen im Sand. Von drinnen ist die Live-Musik auch hier draußen noch gut zu hören und das Essen vom Grill schmeckt fantastisch. Ein Abend wie er gemütlicher nicht hätte sein können.
Leider müssen wir schon bald wieder aufbrechen; um 24:00 Uhr geht die letzte Fähre zurück zur Hauptinsel. Bei aktuell 20°C würden wir gerne noch länger hier sitzen bleiben.

Sonntag 22.07.2018
Der Nachteil eines Wochenendausfluges ist, dass es schon nach zwei Tagen vorbei ist. Wir müssen heute um spätestens 15:30 Uhr losfahren, damit wir noch im Hellen und bei ausreichender Flut in Tetenbüllspieker ankommen. Ich gehe erst einmal zum Bäcker und besorge Brötchen und Kaffee. Theoretisch ist ja Kaffee an Bord, jedoch habe ich wohl zu Hause die Dose nicht richtig verschlossen, sodass sich dieser in der gesamten Pantry verteilt hat.
Nach dem Frühstück gehen wir erst mal einkaufen.
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In Reihenfolge all die Läden abklappern, die wir uns gestern vorgemerkt haben. Rein rechnerisch haben wir am Ende so viel Geld gespart, dass wir die Spritkosten für die SeaQuest wieder raus haben. Man könnte also sagen, die Fahrt nach Helgoland war gratis.

Da der Kühlschrank zu Hause spontan nicht mehr allzu viel Proviant zu bieten hatte, gehen wir Mittagessen. Wir möchten beide ungern jetzt schon von hier weg. Es ist erst der zweite Tag, fühlt sich jedoch an wie eine ganze Woche Urlaub.

Helgoland ist unter Wassersportlern sehr beliebt und gerade in den Sommermonaten sind die Häfen so stark ausgebucht, dass der Hafenmeister empfiehlt, ein Jahr im Voraus zu buchen. Wir rechnen uns keine allzu großen Chancen aus, dass wir noch eine Nacht bleiben dürfen.
Frank will es trotzdem versuchen und geht ins Büro des Hafenmeisters. Mit dem Ergebnis dass wir tatsächlich noch bleiben dürfen.
“Das kleine Ding kriegen wir immer irgendwo unter”. Ich bin ein bisschen beleidigt (so klein ist die SeaQuest gar nicht!), weiß aber auch, dass es besser ist, das in diesem Moment nicht klarstellen zu wollen.
Den restlichen Nachmittag verbringen wir fast ausschließlich auf dem Boot. Wir liegen in der Sonne, lesen, hören Musik oder beobachten vorbeilaufende Leute und genießen einfach unseren Urlaub.
Zwischen 17:00 und 18:00 Uhr verlassen die großen Touristen-Schiffe die Insel. Ab jetzt wird es
herrlich still auf Helgoland. Mir wird bewusst, dass man diese Insel erst am späten Abend oder am frühen Morgen wirklich genießen kann. Dann ist hier alles so schön still und friedlich.
Diese Ruhe zieht uns doch nochmal in die Natur. Unser Ziel ist der Nordstrand.
Parallel zur Kurpromenade verläuft ein versteckter kleiner Holzpfad.
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Plötzlich stehen wir inmitten von weißem Sand und saftig grünen Pflanzen. Es riecht so unglaublich frisch nach Meer und Natur. Ich bin beeindruckt von dem was die Natur uns bietet.
Den Sonnenuntergang sehen wir uns am Nordstrand an. Geografisch gesehen nicht unbedingt der beste Ort für Sonnenuntergänge.. Eigentlich wollten wir auch auf’s Oberland aber die Treppen haben uns dann doch abgeschreckt. Insgesamt zeigt mein Handy nach diesem Wochenende 22,35 km Strecke und 61 Stockwerke. Hier unten am Strand ist es auch ganz schön.
Und morgen geht es schon zurück nach Hause.

Montag 23.07.2018
Ich werde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und beschließe, die wenigen Stunden, die ich auf dieser traumhaften Insel noch habe, zu nutzen.
Schnell Zähne geputzt und dann gehe ich joggen. Joggen ist etwas das ich normalerweise für ziemlich absurd halte. Aber im Urlaub ist eben alles anders. Die frische Luft tut unglaublich gut. Es ist keine Menschenseele anzutreffen und kein Geräusch außer dem der Möwen zu hören. Es fühlt sich an, als wäre die Insel menschenleer. So ruhig. So entspannend.
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Auf dem Rückweg besorge ich noch schnell zwei Kaffee und wecke dann Frank. Es wird Zeit, nach Hause zu fahren. Um 09:30 Uhr ist Abfahrt.
Die Rückfahrt gestaltet sich noch ruhiger als die Hinfahrt am Samstag. Wir haben optimale Bedingungen – mit der Strömung bei spiegelglattem Wasser. Bei ganz ruhiger See kann man in der Nordsee und auch im Heverstrom manchmal Schweinswale entdecken. Anders als Delfine kommen diese leider immer nur ganz kurz an die Oberfläche und sind schneller wieder verschwunden als dass sie aufgetaucht sind. Also sitze ich die ganze Fahrt ganz aufmerksam am Bug der SeaQuest und halte Ausschau.

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Gegen 12:00 Uhr laufen wir in den Hafen in Tetenbüllspieker ein. Mittlerweile sind wir beim Slippen ein eingespieltes Team, jeder Handgriff sitzt. Bereits 15 Minuten später haben wir die SeaQuest aus dem Wasser geholt und reiserfertig gemacht.
Wir gönnen uns noch ein letztes Bier auf dem Deich. Die Mittagssonne strahlt uns ins Gesicht.

SeaQuest.info ist online! ~/?x=entry:entry191025-104427 2019-10-25T10:44:27+00:00 2019-10-25T10:44:27+00:00

Seit nun schon über 40 Jahren bin ich mit R(H)IBs und Schlauchbooten unterwegs und habe unzählige Inseln, Buchten, Halligen und Sandbänke besucht. Hier werde ich nun darüber berichten.

Für Interessierte wird es hier eine Menge an Infos, Berichten und HowTo’s geben.
Auch der erfahrene Skipper dürfte hier die ein oder andere nützliche Information gewinnen können.
Es gibt bereits jetzt einen Revierführer für das Nordfriesische Wattenmeer und eine bathymetrische Seekarte befindet sich im Test. Die einzelnen Themen findet Ihr in den Rubriken.

Viel Spass!
Frank
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